Presse:2016 11 20 Aachener Zeitung über "Es spukt im Haus der Stadt"

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Dürens Haus der Stadt: Die Geburtstagsfeier missriet ein wenig

Sorgten für einen Abend, der in Düren vermutlich noch lange diskutiert wird: Miriam und Malin Schindler, Leonard Dario Prandini und Osiris Pausch sowie Klaus Maria Zehe, Doris Otto und Anne Hartkamp. Foto: Sandra Kinkel

Düren Die Idee war eigentlich gut: Im Haus der Stadt spuken zwei getriebene Geister, die erst dann wieder zur Ruhe kommen, wenn Düren seine kulturelle Identität wiederfindet. Und genau diese kulturelle Identität der Stadt sollte am Freitagabend mit "einem geistreichen Mehrzweckabend“ zum 25. Geburtstag vom Haus der Stadt gefunden werden.

Von Sandra Kinkel

„Wir wollten“, sagt Dieter Powitz, Leiter von „Düren Kultur“, „bewusst nicht das Klassische bedienen. Das heißt, es sollte keinen Festakt mit Musik, Grußworten und einem historischen Vortrag geben. Wir wollten einen humorvollen Umgang mit dem Thema versuchen. Das hat am Ende leider nicht gezündet.“

Anne Hartkamp. Foto: Sandra Kinkel

Auf einem Dachboden in Düren, so die Geschichte der Geburtstagsgala, wurden Fragmente eines Stummfilms des berühmten Friedrich Wilhelm Murnau gefunden — und genau dieses restaurierte Stück Film sollte während der Gala gezeigt werden. Daneben gab es Musik mit Osiris Pausch, der vielen Dürenern als Straßenmusiker bekannt ist, Sängerin Anne Hartkamp und Rapper Leonard Dario Prandini sowie schauspielerische Elemente mit Doris Otto, Nicolangelo Lancuba, Klaus Maria Zehe, Nina Goldberg und Waldemar Kobus.

Miriam Schindler, Malin Schindler. Foto: Sandra Kinkel

Es gab Passagen aus Goethes „Faust“, berühmte Filmzitate, und Waldemar Kobus kam ganz zum Schluss als Elvis Presley mit einem durchsichtigen weißen Maleranzug und Stars-and-Stripes-Shorts auf die Bühne, um „In the Ghetto“ zu singen. Durch den Abend sollte der aus Düren stammende Uli Winters führen, der krankheitsbedingt allerdings kurzfristig absagen musste.

Dem Abend fehlte ein deutlich erkennbarer roter Faden, es ist nur selten gelungen, den Bezug zum Geburtstag des Hauses der Stadt wirklich herzustellen. Texte und Musikbeiträge wirkten einfach aneinandergereiht. „Der ganze Abend“, sagte Dieter Powitz, „basierte natürlich auf Uli Winters. Er war angekündigt, als ‚Mann mit dem bunten Anzug, der durch den Abend führt‘. Und dieser Mann war nicht da.“ Natürlich, ergänzte Powitz, hätte er nach Winters' Absage den Abend ausfallen lassen können. Mangelhafte Umsetzung

Leonard Prandini, Osiris Pausch. Foto: Sandra Kinkel

„Das aber wäre auch eine Katastrophe gewesen. Trotzdem muss ich sagen, dass der Abend handwerklich mangelhaft umgesetzt war. Ich bin nicht zufrieden.“ Gerade von den Schauspielern, betonte der Leiter des städtischen Kulturbetriebs, hätte er sich beispielsweise eine „stärkere schauspielerische Potenz gewünscht, um den Abend zu ziehen.“

Klaus Fehling, der als Dramaturg und Regisseur die Eigenproduktion am Freitag auf die Beine gestellt hat, betonte, dass die Rolle des Moderators für Uli Winters geschrieben worden sei. „Sonja Kling ist kurzfristig eingesprungen, und wir hatten zwei Stunden Zeit, Passagen umzuschreiben und zu proben.“

Es sei der ausdrückliche Wunsch der Verantwortlichen des Hauses der Stadt gewesen, die Vorstellung stattfinden zu lassen. Fehling: „Das war gewagt. Aber mein Team und ich haben das getan, was möglich war. Dafür danke ich meinen Leuten, die wirklich Großartiges geleistet haben.“

Gelungen waren ohne Zweifel eingespielte Filmpassagen, die sich mit der Geschichte des Dürener Theaters auseinandergesetzt haben. Den Theaterbesuchern wurde in Erinnerung gerufen, dass Eberhard Hoesch der Stadt am 22. Januar 1904 eine halbe Million Mark zum Bau eines Theaters schenkte. Eingeweiht wurde das Haus drei Jahre später, am 17. Januar 1907.

Und es gab auch — ziemlich deutliche — Kritik: „Am 16. November 1944“, so hieß es am Freitag während der Gala, „wurde das Dürener Theater zerstört. Mit den noch vorhandenen Bauplänen und einem willensstarken Glauben wäre eine Wiedergeburt so wie beim Museum Wirklichkeit geworden. Es fehlte dafür an Sinn und Geduld und an gläubigem Mut.“

Powitz: „Alle wissen, dass es nicht der Zweite Weltkrieg war, der dem Dürener Stadttheater das Genick gebrochen hat, sondern das Verhalten danach. Ein wenig wollten wir die Besucher kitzeln, in dem wir das noch einmal deutlich gemacht haben.“ Der richtige Weg

Die Meinung des Publikums war am Ende des zweistündigen Theaterabends mehr als gespalten. Wenige waren von der Geburtstagsgala total begeistert, die meisten absolut enttäuscht. „Ich gehe immer gerne ins Haus der Stadt“, hat es ein Herr formuliert. „Heute wäre ich besser zu Hause geblieben.“

Trotz all der Kritik, die er selbst an dem „geistreichen Mehrzweckabend“ hat, ist Dieter Powitz nach wie vor davon überzeugt, grundsätzlich den richtigen Weg gewählt zu haben, um das 25-jährige Bestehen des Hauses der Stadt zu feiern. „Ich habe dem Team von Klaus Fehling vertraut und an die Idee, die wir hatten, geglaubt. Am Ende hat das leider nicht funktioniert.“

Gerade aber Künstler und Theaterschaffende müssten auch offen für Neues sein. Powitz: „Innovationen können wir nur dann schaffen, wenn wir neue Wege gehen — immer auch eingedenk des Wissens, dass es schief gehen kann.“ Die Gratwanderung zwischen Neuem und einem ironisch- unterhaltsamen Theaterabend sei für viele am Freitagabend nicht gelungen.

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