Presse:2007 08: Interview mit Klaus Fehling (in Mark Beneckes Buch "Mordspuren")

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"Mordspuren" von Mark Benecke. Bastei Lübbe. ISBN 13: 978-3785723074

Aus "Mordspuren" von Mark Benecke:

Mark Benecke: Klaus Fehling arbeitet unter anderem als Theaterautor. Er setzt dabei auch "Wikis" ein, mit denen er offene Webseiten gestaltet, die von jedem Betrachter unkompliziert geändert werden können. Dieses Verfahren nennt sich Basar-Methode. Am bekanntesten ist es durch die Wikipedia geworden, bei der von jedem Benutzer Wissen im World Wide Web bereitgestellt und diskutiert wird. Fehling ist ein Pionier, der offenen Betriebs- und Denksystemen zum praktischen Durchbruch verhilft. Das läuft der klassischen Art des Programmierens (unbekannte Programmierer und von anderen nicht veränderbare Programme/Webseiten; "Kathedralen-Methode") zuwieder.

Frage: Beschreib bitte mal Deine Programmier-Arbeit.

Klaus Fehling: Ich sorge dafür, dass Menschen, die zusammen an einer gemeinsamen Sache arbeiten -- beispielsweise eine Theatergruppe mit Regisseur, Bühnenbildner, Schauspieler und so weiter -- möglichst immer dann (und nur dann) die (und nur die) richtigen Informationen zur Verfügung haben, wenn sie sie brauchen.

Außerdem helfe ich mit Rat und Technik dabei, dass jeder seine Ergebnisse und Information für andere einfach im Netz zur Verfügung stellen kann. Durch die offen angelegten Programme können beispielsweise auch Außenstehende mit Kommentaren und eigenen Beiträgen problemlos und sofort Einfluss auf den Inhalt der Seiten nehmen.

Frage: Warum macht dir das Spaß? Für meine künstlerische und journalistische Arbeit ist die Technik ein wunderbares Hilfsmittel. Reibungslose und trotzdem zielgerichtete Kommunikation kann viel Spaß machen.

Frage: Was machst du eigentlich, wenn du im "Firmen"-Netzwerk auf Daten oder E-Mails stößt, die dir nicht passen oder die halb legal sind? Du kannst ja nicht tun, als hättest du sie nicht gesehen.

Ich lese ich nicht ungefragt die E-Mails anderer. Wenn ich jedoch beispielsweise auf deinem Webserver, den ich ja auch verwalte, im Rahmen meiner Arbeit auf Daten stoßen würde, die einen von uns oder Dritte in Schwierigkeiten bringen könnten, würde ich den Verursacher ermitteln und sie/ihn darauf ansprechen.

Die Frage ist aber eigentlich blöd. Was ist "halb legal", und wie kommst Du darauf, dass ich nicht so tun kann, als hätte ich die Daten nicht gesehen? Genau das würden nämlich, denke ich zumindest, die meisten machen: So tun, als hätten sie nichts gesehen.

Frage: Was hältst Du davon, wenn so genannte Hacker auf Sicherheitslücken in fremden Computersystemen/-Netzen dadurch aufmerksam machen, dass sie die durch diese Lücken gewonnenen Daten veröffentlichen?

Das scheint mir nur dann angemessen, wenn erstens durch die Lücken der Datenschutz Unbeteiligter gefährdet ist und zweitens die für die Sicherheit dieser Daten verantwortlichen Menschen nicht oder zu spät auf einen Hinweis reagieren. Aber auch dann muss sorgfältig abgewogen werden, welche Schäden (auch für Unbeteiligte) durch eine Veröffentlichung entstehen können.

Frage: Wie würdest du eine zusammengefasste Programmierer-Ethik formulieren? „Tu, was dein Chef will?“ oder „Programmiere so, wie du willst?“ -- „Die Daten der Firma sind heilig?“ oder „sind nicht heilig?“ -- Wie steht‘s mit Schweigepflicht?

Private Daten schützen. Öffentliche Daten nützen.

Frage: Kannst du dir vorstellen, dass die Programmierer Tron (Boris F.), Lars Oliver Petroll oder Karl Koch getötet wurden?

In allen drei Fällen gäbe es starke Motive bei verschiedenen Interessengruppen. Das würde jeder Krimifan sofort für glaubwürdig halten. Allerdings erscheint mir gerade bei diesen drei auch Selbstmord nicht abwegig.

(Dies ist eine vorläufige Fassung des Interviews. Der Text kann Stellenweise vom gedruckten Buch abweichen)